Vor drei Jahren verließ Ferdinand (29) die HdM mit einem Bachelor of Engineering in Audiovisuellen Medien. Heute ist er mit seinem eigenen kleinen Unternehmen selbstständig. In diesem Interview erfahrt ihr mehr über sein Business, seine Leidenschaft und sein essentielles Rezept für Erfolg nach dem Studium.

„Hallo Ferdinand. Du hast dich auf meine Anfrage im HdM Network zum Alumni-Talk gemeldet, Dankeschön dafür! Was möchtest du uns von deinem beruflichen Leben erzählen?“

„Seit dem Ende meines Studiums bin ich mit meinem eigenen Unternehmen – der emefka.bewegtbildmanufaktur – selbstständig. Die zwei großen Bereiche, die ich dort anbiete, sind Bewegtbild und Fotografie. Ich bin jedoch breit aufgestellt und mein Portfolio erweitert sich ständig.“

„Was war dein schulischer und beruflicher Werdegang bis dahin?“

„Nach meiner mittleren Reife habe ich eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert – Technik und Computer mochte ich schon immer gern. Im Anschluss an meine Ausbildung habe ich ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet. Nach einer Weile im Beruf habe ich mich dann aber gefragt, ob ich noch ewig so weiterarbeiten will oder ob da noch mehr ist. Parallel zu meinem Beruf habe ich hobbymäßig schon länger leidenschaftlich fotografiert und Musikvideos gedreht – das hat mir immer mehr Spaß gemacht als meine eigentliche Arbeit. So kam es dann dazu, dass ich meine Fachhochschulreife nachgeholt und ein einjähriges freiwilliges Praktikum bei Bosch als Media Artist gemacht habe. Anschließend habe ich mich unter anderem für Audiovisuelle Medien an der HdM beworben – wo ich dann letztendlich auch gelandet bin.“

„Und wie bist du dann dazu gekommen, dich nach dem Studium selbstständig zu machen?“

„Ich hatte bereits während meines Studiums ein Nebengewerbe angemeldet und daher schon immer viel im Bereich Bewegtbild und Fotografie gearbeitet. An dem Tag, an dem ich meine Bachelorarbeit abgegeben hatte, riefen mich zufälligerweise zwei Kunden an und beauftragten mich für zwei größere Projekte. Ich dachte mir dann „Warum denn nicht richtig?“ und machte mich kurze Zeit später selbstständig. Seit drei Jahren führe ich nun mein Unternehmen. So bin ich da also irgendwie reingerutscht.“ (lacht)

„Du bist ja sehr vielfältig aufgestellt, wie ich bereits mitbekommen habe. Was bietest du alles an?“

„Bisher habe ich versucht, sehr viele Bereiche zu bedienen, um eben sehr viele Aufträge annehmen zu können. Momentan geht meine Fokussierung aber sehr in Richtung hochwertigem Bewegtbild, ich mache zum Beispiel viele Imagefilme für Unternehmen. Immer wieder kommen auch kleine und mittlere Unternehmen auf mich zu und beauftragen mich mit der Herstellung von Material für Social Media. Da übernehme ich dann auch PR-Aufgaben und entwickle Kampagnen. Im Fotografie-Bereich begleite ich oft Events von großen Firmen und biete Business-Fotografie an. Außerdem produziere ich Musikvideos für lokale Bands. Letztes Jahr kam neu dazu, dass ich nun auch Live-Streaming anbiete, zum Beispiel für Events oder Handballspiele. Insgesamt würde ich gerne mehr im kreativen Bereich machen, aktuell sind aber viele Jobs noch „für den Geldbeutel“.“

„Was macht dir an deiner Arbeit am meisten Spaß?“

„Spannend finde ich die Produktion von szenischem Bewegtbild, da hier jeden Tag etwas Neues ansteht. Am einen Tag wird gedreht, am nächsten steht die Postproduktion an. Die Abwechslung macht hier viel Spaß. Außerdem liebe ich das Inszenieren am Set. Das Drehbuch vor Ort so umzusetzen, wie ich es im Kopf hatte, ist ein wunderbares Gefühl. Hier verschmelzen Kreativität und Handwerk miteinander. Insgesamt ist meine Arbeit sehr abwechslungsreich, da es wichtig ist, immer offen für neue Dinge und Entwicklungen zu sein und auch mal alte Dinge fallen lassen zu können – wie den dreiminütigen Imagefilm, den sich eh keiner mehr anschaut.“ (lacht)

„Ist es ein schwieriges Business und gibt es manchmal Probleme Aufträge zu bekommen?“

„Ich kann hier nur sagen, dass Connections alles sind. Dadurch, dass ich für viele Kunden arbeite, kommt immer ein Auftrag rein, bevor der andere abgeschlossen ist und so hatte ich bisher keine Probleme. Wobei ich sagen muss, dass hier auch eher kürzere Zeithorizonte bis ca. drei Monate finanziell abgesichert sind anstatt beispielsweise einem Jahr.“

„Was ist dein aktuelles oder nächstes großes Projekt?“

„Mit meiner Bachelorarbeit habe ich ein Pilotprojekt über eine Steam-Punk-Western-Produktion gestartet. Das ist und bleibt vorerst mein größtes laufendes Projekt. Ich möchte den Film – Iron Cloud – aber dieses Jahr noch abschließen. Den fertigen Film möchte ich dann gerne zu diversen Filmfestivals schicken und hoffe, dass er dort Anklang findet.“

„Wie wird es beruflich für dich weitergehen? Möchtest du nochmal etwas Neues starten?“

„Momentan bin ich von meiner Auslastung her an der Grenze und starte daher erstmal nichts Neues. Mittelfristig möchte ich im szenischen Bereich bleiben und da einen Fuß reinbekommen. Langfristig wäre es natürlich geil, beispielweise zehn Folgen für eine Staffel bei Amazon oder Netflix produzieren.“ (lacht)

„Hast du noch einen Tipp für angehende Absolventen?“

„Connections Connections Connections! Wisst so früh wie möglich, was ihr machen wollt und spezialisiert euch auf den Bereich, der euch Spaß macht und in dem ihr gut seid. Arbeitet dazu schon während eures Studium in diesem Bereich und nicht zum Beispiel als Kellner. Denn letztendlich ist das die Währung, mit der du bezahlst: Am Ende steht und fällt alles damit, wer dich kennt und gut findet. Und wenn ihr gar nicht wisst, was ihr machen sollt, dann macht ein negatives Ausschlussverfahren und versucht das, was für euch das am wenigsten Schlimmste ist. Damit trefft ihr vermutlich die beste Entscheidung, nur eben von der anderen Richtung.“

Jana Kegel